Das Webinar der FAO am 23. November 2021 bot eine Momentaufnahme der wichtigsten Ergebnisse einer eingehenden Studie mit dem Titel ‘Illuminating the hidden harvest – the contribution of small-scale fisheries (SSF) to sustainable development’ (Die verborgene Ernte beleuchten - der Beitrag der handwerklichen Fischerei (SSF) zur nachhaltigen Entwicklung), die von >800 Experten mit Fallstudien in 58 Ländern mit wichtiger Meeres- und Binnenfischerei durchgeführt wurde. Die FAO, Duke University und World Fish starteten diese Initiative 2017, inspiriert durch den Bericht der Weltbank von 2012. Dieser beleuchtete die meist übersehenen Beiträge der Männer und Frauen in handwerklichen Fischereien. Der vollständige aktualisierte Bericht, einschließlich Empfehlungen, wird Anfang 2022 vorliegen.

Die vorgestellten Ergebnisse bestätigen und quantifizieren die bedeutende und wichtige Rolle und den Beitrag der handwerklichen Fischerei für soziale, wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung und Inklusion. Die wichtigsten Ergebnisse bestätigen nicht nur die bereits dokumentierten Zahlen und Trends, sondern gehen über frühere Ergebnisse hinaus, weil ein größerer Teil der weltweiten Kleinfischerei in den Einzelstudien abgedeckt wurde und weil die Analysemethoden weiterentwickelt wurden. Die wichtigsten Botschaften sind:

  1. 40% der globalen Fischfänge (~ 37 mio t/Jahr) wird von handwerklichen Fischereien produziert, und zwar zum allergrößten Teil für die direkte menschliche Ernährung. 32% sind Fänge in Binnengewässern und 68% sind marine Fänge. Das Verhältnis zwischen artisanalen und industriellen Fängen für jeden Kontinent ist in der vorstehenden Abbildung von Michael Funge-Smith von der FAO gezeigt.

  2. Die Lebensgrundlage von 492 Millionen Menschen hängt zumindest teilweise von Wertschöpfungsketten handwerklicher Fischereien ab – sie sind ProduzentInnen, VerarbeiterInnen, HändlerInnen und Leute mit anderen Berufen, die mit der Fischerei verknüpft sind - sie deren Familenmitglieder. 60 Millionen Leute sind direkt beschäftigt (entweder vollzeit oder teilzeit), 53 Millionen sind in der Subsistenzfischerei tätig, die anderen abhängig.

    Die überwältigende Mehrheit der handwerklichen Fischer leben in Asien und Afrika. Sie stellen 7% der Weltbevölkerung und 13% der Einwohner in Entwicklungsländern.

  3. Der SSF-Sektor generierte 77 Milliarden US Dollar (2013-17) als durchschnittlicher jährlicher Wertbeitrag aller Einkommen zu Beginn der Wertschöpfungskette (Anlandewert). Mit anderen Worten, die handwerklichen Fischereien sind die 5. größte Ozeanwirtschaft in den untersuchten 58 Ländern!

  4. 45 Millionen Frauen sind weltweit in Wertschöpfungsketten der Klein- und Küstenfischereien aktiv: 15% arbeiten in der Vorbereitung von Fischfangausfahrten, 19% in der kommerziellen Produktion, 50% sind in vielfältigen Tätigkeiten nach der Anlandung des Rohprodukts aktiv, und 45% produzieren zum Eigenverbrauch auf Subsistenzniveau.

  5. Der Ernährungswert von Fisch und sein Beitrag zur Ernährungssicherung ist global anerkannt. Analysen verschiedener Arten zeigen, dass kleine pelagische Schwarmfische (sowohl im Meer als auch in Binnengewässern) besonders hochwertigen Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung leisten.

    Die für jede Fischart bestimmten und modellierten Nährstoffwerte sind mittlerweile in FishBase verfügbar (siehe die Graphik von David Mills von WorldFish weiter unten).


  6. Zwei (2) Tonnen von jeweils 10 Tonnen Fang handwerklicher Fischer stammt von solchen, die innerhalb von Ko-Management Strukturen arbeiten. die Fischers betrachten sich selbst als Akteure bei der konkreten Umsetzung der Freiwilligen Richtlinien für nachhaltige handwerkliche Fischereien. Die Proportion tatsächlichen Ko-Managements in der Bewirtschaftung von Kleinfischereien steigt substantiell vom nationalen und sub-nationalen Niveau bis auf die Lokalebene. Der dokumentierte Nutzen lässt vermuten, dass es vorteilhaft wäre, das Ko-Management weiter auszubauen. Aber die Empfehlungen werden erst nach vollständigerer Analyse Anfang 2022 entwickelt.

Der 2012-Bericht der Weltbank ist hier verfügbar. Mehr Informationen zum Webinar gibt es hier.