Schulung des nationalen Moderationsteams mit Maria Fernanda Arraes als leitende Moderatorin von Mundus maris und Anthony Kutu Acheampong als Co-Moderator.

Was geschieht, wenn Fischer und in der Menschen, die in der Fischerei arbeiten, aus ganz Ghana zusammenkommen – nicht nur, um zu lernen, sondern um zu Gestaltern des Wandels in ihren eigenen Gemeinschaften zu werden?

Vom 29. Juni bis zum 3. Juli 2026 unterstützte Mundus maris in Winneba (Ghana) den Beginn einer spannenden gemeinsamen Reise mit den dortigen Kleinfischern. Den Auftakt bildeten die praktischen Vorbereitungen für nationale Trainer und Moderatoren, von denen die meisten der „Canoe and Fishing Gear Owners Association of Ghana“ angehörten.

Einen Tag später begann die umfassende Schulung. Vierunddreißig Frauen und Männer aus den vier Küstenregionen Ghanas versammelten sich zum Auftaktworkshop der Akademie der handwerklichen Fischerei (Small-Scale Fisheries Academy – SSF Academy).

Sie brachten vielfältige Erfahrungen aus Anlandeplätzen, Fischereigemeinschaften, lokalen Organisationen und der regionalen Mitarbeiter der Fischereikommission mit.

Bereit, die künftigen regionalen Trainer und Moderatoren zu empfangen: Nana Kweigyah, Anthony K. Acheampong, Maria Feranda Arraes, Jennifer Apoh-Sam, Wisdom Pazzy und Kenneth Arthur.

Sie brachen mit einer gemeinsamen Aufgabe auf: eine nachhaltigere Zukunft für die ghanaische Kleinfischerei mitzugestalten.

Doch dies sollte niemals bloß ein weiterer Schulungs-Workshop werden.

Dies markierte den Beginn einer einjährigen Partnerschaft zwischen Mundus maris asbl und der Canoe and Fishing Gear Owners Association of Ghana (CaFGOAG), die auf einer einfachen Überzeugung beruhte:

Gemeinden sind nicht nur Nutznießer des Fischereimanagements – sie sind unverzichtbare Partner für dessen Erfolg.

Vergleich zwischen dem bisherigen und dem neuen Fischerei- und Aquakulturgesetz

Warum jetzt? Die Fischerei in Ghana ist an einem kritischen Punkt.

Jahrelange Überfischung sowie illegale, ungemeldete und unregulierte (IUU-)Fischerei haben die Fischbestände erheblich dezimiert und gefährden damit die Ernährungssicherheit, die Lebensgrundlagen und die Widerstandsfähigkeit der Küstengemeinden.

Heute importiert Ghana jährlich rund 80.000 Tonnen Fisch, um den nationalen Bedarf in einem Land zu decken, in dem Fisch die wichtigste Proteinquelle der Ernährung darstellt.

Gleichzeitig sind wichtige Reformen im Gange.

Das Gesetz über Fischerei und Aquakultur von 2025 (Gesetz 1146) schafft eine solide rechtliche Grundlage für die Verringerung des Fischereidrucks, die Bekämpfung der illegalen Fischerei, die Einrichtung von Meeresschutzgebieten und die Stärkung der gemeinsamen Bewirtschaftung der Fischerei.

Das Ministerium für Fischerei und Aquakultur sowie die Fischereikommission als dessen wichtigste operative Behörde treiben diese Bemühungen federführend voran.

Sie sehen eine ausdrückliche Regelung zur Mitverwaltung gemeinsam mit den Berufsverbänden der wichtigsten Gruppen des Sektors sowie den Fischereigemeinschaften vor, die entlang der Küste, im Gebiet des Volta-Sees und an dessen Zuflüssen ansässig sind.

Gruppenarbeit als Teil des aktiven Lernens

Der Übergang zum Co-Management bedeutet ein Umdenken bei der Steuerung des Sektors im Vergleich zur Vergangenheit, in der der Schwerpunkt vorwiegend auf Top-down-Ansätzen lag.

Dies stellt einen wichtigen Schritt zum Wiederaufbau der ghanaischen Fischerei dar, da sich alle Gruppen mit dem neuen Gesetz auseinandersetzen müssen.

Es ist allgemein anerkannt, dass Gesetze allein die Fischbestände nicht wiederherstellen können. Echter Wandel entsteht, wenn Gemeinschaften das Gesetz verstehen, dem Verfahren vertrauen und die Möglichkeit haben, gemeinsam praktische Lösungen zu erarbeiten.

Hier kommt die SSF Academy ins Spiel.

Lernen durch Tun

Von Teilnehmern zu Moderatoren

Während des Workshops stärkten die Teilnehmenden ihre Kompetenzen in den Bereichen Moderation, Führung und Dialog – und zwar durch stark visuelle und partizipative Lernmethoden, die Reflexion, Zusammenarbeit und das Lernen voneinander fördern.

Im Laufe des kommenden Jahres werden sie regelmäßige Dialoge in ihren Gemeinschaften ermöglichen.

Ihre Aufgabe wird es sein, Räume zu schaffen, in denen sich leitende Fischer, Kanubesitzer, Fischverarbeiter, Händler, Frauen, Jugendliche und andere im Fischereisektor Tätige zusammenfinden können, um lokale Herausforderungen zu erörtern, Lösungen zu finden und die Zusammenarbeit für lokales Handeln zu stärken.

Diese Gespräche werden nicht auf der Ebene der Gemeinschaft stehen bleiben.

Die aus diesen monatlichen Dialogforen hervorgehenden Ideen und Prioritäten können dem Ministerium und der Fischereikommission als Entscheidungsgrundlage dienen und so die Verbindungen zwischen lokalen Erfahrungen und der nationalen Fischereiverwaltung stärken.

Auf der bestehenden Dynamik aufbauen

Die Akademie baut zudem auf jüngsten Initiativen auf, die rund 300 Führungskräfte aus der Fischerei und Gemeindevertreter mit dem neuen Gesetz für Fischerei und Aquakultur vertraut gemacht haben. Diese wichtige Maßnahme zur Bewusstseinsbildung wurde vom „Africa Centre of Excellence in Coastal Resilience“ der University of Cape Coast mit Unterstützung von @Blue Ventures Conservation durchgeführt.

Erfahrene Fischer, Fischverarbeiter, Händler und weitere Akteure aus den vier Küstenregionen kamen in der SSF-Akademie zusammen; dazu gehörten auch regionale Vertreter des Fischereiministeriums, ein Fachmann des Ministeriums sowie Gäste der University of Education in Winneba.

Der nächste Schritt besteht darin, das grundlegende Bewusstsein in konkretes Handeln zu überführen. Durch die Stärkung der lokalen Moderation und die Förderung eines kontinuierlichen Dialogs innerhalb der Gemeinschaft strebt die SSF Academy danach, das Co-Management zu einer gelebten Praxis zu machen – und nicht bloß zu einem politischen Ziel.

Lernen durch Handeln: Dialog, Planung und Umsetzung

Einer der inspirierendsten Aspekte der Akademie ist ihr Lernansatz. Durch die Verknüpfung von lokalem, traditionellem und wissenschaftlichem Wissen mit Peer-Learning, visuellem Denken und partizipativer Moderation schafft die Akademie ein Umfeld, in dem die Teilnehmenden ebenso viel voneinander lernen wie aus der Schulung selbst.

Die Fish-Bowl-Methode ermöglicht es den Teilnehmenden, spezifische Erfahrungen anderer zu beobachten und daraus zu lernen.

Während der fünf Tage setzte die Akademie stark partizipative Methoden ein, die von Visual Facilitation, dem Participatory Action Learning System (PALS) sowie der Kommunikation für sozialen und verhaltensbezogenen Wandel (SBCC) inspiriert waren. Zusammen genommen ermutigen diese Ansätze die Teilnehmenden dazu, durch praktisches Handeln, Zeichnen und Reflektieren zu lernen, ihre eigene Lebensrealität zu analysieren, gemeinsame Ziele zu definieren und – mithilfe visueller Instrumente, moderierter Dialoge und des Austauschs mit anderen Teilnehmern – gemeinschaftlich Maßnahmen zu entwickeln.

Anstatt lediglich passive Empfänger von Informationen zu sein, setzten sich die Teilnehmenden aktiv mit realen Herausforderungen auseinander. Sie reflektierten sowohl individuell als auch gemeinsam, arbeiteten in regionalen sowie gemischten Gruppen, tauschten persönliche Erfahrungen aus, hinterfragten Annahmen, analysierten die Gegebenheiten vor Ort und erprobten Moderationstechniken, die sie später in ihren eigenen Gemeinschaften anwenden werden. Bei der Akademie handelt es sich zudem nicht um einen bloßen Einzelworkshop; vielmehr verfolgt sie einen „Training-of-Trainers“-Ansatz, der darauf abzielt, ein Netzwerk aus nationalen und regionalen Moderatoren aufzubauen, die in der Lage sind, den kontinuierlichen Dialog und Lernprozesse innerhalb der Fischereigemeinschaften zu unterstützen.ge.

Eine Vision und die konkrete Planung zur Überführung der Vision in operative Umsetzungsschritte

Dieser „Learning-by-doing“-Ansatz stärkt nicht nur das Wissen und die Moderationskompetenzen, sondern auch das Selbstvertrauen, das Gefühl der Eigenverantwortung sowie die Beziehungen, die erforderlich sind, um gemeinsames Handeln über die Workshops der Academy hinaus fortzuführen.

Der Exekutivdirektor der Fischereikommission, Benjamin B. Campion, nahm am letzten Schulungstag für die regionalen Trainer und Moderatoren teil. Nachdem er die regionalen Moderatoren bei der Arbeit erlebt hatte, bekundete er Interesse daran, den Schulungsansatz auf die Mitarbeiter der Fischereikommission auszuweiten; dabei erkannte er die Akademie als wertvolles Instrument zur Stärkung der Zusammenarbeit, des Kompetenzaufbaus und der Umsetzung eines nachhaltigen Fischereimanagements in Ghana an.

Eine gemeinsame Verantwortung

Die Wiederherstellung der Fischerei in Ghana kann nicht allein durch die Regierung erreicht werden.

Das lässt sich auch nicht von isoliert arbeitenden Fischergemeinschaften erreichen.

Dies erfordert Partnerschaften, die Gemeinschaften, staatliche Institutionen, Forschende, Universitäten, zivilgesellschaftliche Organisationen, traditionelle Autoritäten und Entwicklungspartner für ein gemeinsames Ziel zusammenbringen.

Die SSF Academy ist ein Beitrag zum Aufbau dieser Verbindungen.

Ihr Erfolg wird sich letztlich nicht an der Anzahl der durchgeführten Workshops messen lassen, sondern an den Gesprächen, die in den Fischergemeinden fortgeführt werden, dem Vertrauen, das zwischen den Akteuren wächst, und den gemeinsamen Maßnahmen, die dazu beitragen, Ghanas Fischerei für künftige Generationen wiederherzustellen.

Ein neues Kapitel auf diesem Weg hat begonnen.

Wir bei Mundus maris freuen uns darauf, gemeinsam mit den Gemeinschaften und Partnern zu lernen und unsere technische sowie methodische Unterstützung fortzusetzen, während sich dieses neue Kapitel entfaltet. Wir ermutigen andere Organisationen nachdrücklich, sich diesem Weg anzuschließen und ihre sich ergänzenden Kompetenzen, Erfahrungen und sonstigen Ressourcen einzubringen, um zum Erfolg dieses praxisnahen Engagements für Co-Management beizutragen

Hier können der policy brief, ein kurzes video und Beiträge in den nationalen Medien eingesehen werden:

SSF Academy launched to empower Ghana’s small-scale fishers in coastal governance

“Fisheries management is facilitation”— FC Boss backs new SSF Academy to empower coastal communities

Joy News:  Fisheries Commission intensifies enforcement of new fisheries regulations

Dialogue and empowerment: How the new SSF Academy is transforming fisheries co-management through participatory action

handwerklichen Fischerei Akademie