
„The Blue Marble“ – eine Aufnahme, die Harrison Schmitt von der Apollo-17-Besatzung 1972 machte. Auf dem Originalfoto war der Südpol oben zu sehen; diese Version ist jedoch die am weitesten verbreitete.
Wir denken vielleicht, hier in Hilden und ganz NRW sind wir ‘Landratten’ und der Ozean ist ein paar Autostunden entfernt. Aber wir sind auf ganz verschiedene Weise immer mit dem Meer verbunden, es hat denselben Salzgehalt wie unser Blut. Es stabilisiert das Klima, das sonst noch viel stärker aus dem Gleichgewicht käme, produziert einen großen Teil unserer Atemluft und vieles mehr. Mehr als 90% des globalen Handels von mittlerweile 1,5 Tonnen pro lebendem Menschen werden jedes Jahr über den Ozean abgewickelt. Dabei scheint auch Timmi, der Buckelwal mit dessen Leiden viele mitgefiebert haben, von einer Schiffsschraube verletzt worden zu sein.
Die früher gesunde und bekömmliche Nahrung aus Wildfängen aus dem Meer hat uns über Jahrhunderte verläßlich versorgt. Aber besonders seit die Industriefischerei nach dem 2. Weltkrieg immer mehr aufgerüstet wurde, war die ‘Kriegsdividende’ geringer Fischerei bereits Anfang der 60er Jahre aufgebraucht. Aus europäischen Gewässern wurden noch in den 70er und 80er Jahren bis ca. 10 Millionen Tonnen Speisefisch angelandet. Aber die Kapazitäten der industriellen Flotten überstiegen bereits, was jährlich nachwachsen konnte. Seither gehen die Anlandungen aus heimischen Beständen zurück und haben einen Niedrigstand von nur wenig mehr als 3 Millionen Tonnen erreicht. Es ist, als hätten wir den Fischen und anderen Meeresbewohnern den Krieg erklärt – und den ‘gewinnen’ wir! Umso mehr wird jetzt in fremden Gewässern gefischt und noch mehr wird importiert, um den hohen Bedarf zu decken. Aber damit ist die Überfischung die neue Realität in allen Meeren. Die Vorstellung eines unerschöpflichen Ozeans ist eine Fata Morgana und schon lange als Halluzination (nicht nur von KI) erkannt.
Durch unsere Klimagasemissionen mit den dadurch rasant steigenden Meerestemperaturen und die vielfältigen Quellen der Verschmutzung durch Dünger aus der industriellen Landwirtschaft, Medikamentresten und Industrieabwässern, und mittlerweile ungeheuren Mengen von Plastikmüll setzen wir dem Ozean zusätzlich zu. Die Milliarden von giftigen Zigarettenfiltern aus Plastik vergiften nicht nur Boden und Grundwasser im unmittelbaren Umfeld, sondern gelangen über das Regenwasser, die Kanalisation und Bäche und Flüsse ins Meer. Einige Forscher haben den Hype um die Blaue Wirtschaft (Blue Economy) mit aberwitzigen Investitions- und Profitprojektionen bereits mit dem Sub-Prime Kollaps der Finanzwirtschaft zwischen 2008 und 2010 verglichen. Nur, dass man Thunfische im Gegensatz zu Papiergeld nicht drucken kann.
Im Gegensatz zu manch anderen Orten zog die von Mundus maris initiierte Aufräumaktion zum Auftakt der Feierlichkeiten zum Weltozeantag in Hilden (Deutschland) vor allem ältere Menschen an. Angefangen bei der Bekundung ihres Interesses während des Aktionstags des Ehrenamtes im Mai bis hin zu Rückmeldungen auf die Ankündigung der Veranstaltung bei Facebook schien die Einladung, das Umfeld eines der örtlichen Baches zu säubern, besonders Senioren anzusprechen. Selbst diejenigen, die schließlich nicht teilnehmen konnten, betonten, wie wichtig ihnen das Gemeinwohl sei und dass sie einen Beitrag zur Gesundheit des Ozeans leisten wollten – auch wenn es sich dabei nur um eine bescheidene lokale Initiative handelte.
Am frühen Nachmittag versammelten sich die Freiwilligen am vereinbarten Treffpunkt. Dort erhielten sie Handschuhe – freundlicherweise beigesteuert von einem auf städtische Aufräumaktionen spezialisierten Verein – sowie Greifzangen und spezielle Sammelsäcke für jeden Einzelnen, die vom städtischen Bauhof bereitgestellt wurden. Sie bildeten Dreiergruppen und schwärmten in verschiedene Richtungen aus, um das Umfeld des Bachverlaufs zu säubern; so sollte verhindert werden, dass Zigarettenstummel, Plastikmüll aus Haushalten und andere Abfälle über die Kanalisation oder den Hoxbach in den Rhein und schließlich in die Nordsee sowie die Weltmeere gelangen.

Nach einer Sammelaktion von weniger als zwei Stunden waren 21 kg Müll zusammengekommen, die anschließend zur sicheren Entsorgung an die städtische Abfallwirtschaft übergeben wurden. Nach Stückzahl waren Zigarettenstummel der mit Abstand am häufigsten gesammelte Abfall – trotz wiederholter Berichte in der Presse und des Engagements zivilgesellschaftlicher Organisationen, darunter Mundus maris. Mit großem Abstand folgten Verpackungen von Lebensmitteln und Süßigkeiten. Zudem wurden einige Glasflaschen gesammelt und separat in speziellen Glascontainern entsorgt.
Die engagierten Freiwilligen kehrten zufrieden und glücklich über ihren Einsatz für den Ozean und ihre unmittelbare Umgebung zurück – ganz im Sinne des UN-Mottos zum diesjährigen Weltozeantag: „Neu denken. Jenseits der uns bekannten Welt – eine neue Beziehung zum Ozean.“ Sie ließen den Tag bei guten Gesprächen, viel Gelächter, Kaffee und selbstgebackenem Kuchen ausklingen. Was für eine wunderbare Art, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und selbst aktiv zu werden – und dabei obendrein Steuergelder zu sparen, statt sie auszugeben.