Nach der Pandemie-bedingten Verschiebung der ursprünglich für 2020 geplanten Veranstaltung, wurde die 20., alle zwei Jahre stattfindende, IIFET-Konferenz vom 18. bis 22. Juli 2022 in Vigo, Spanien, abgehalten. Vigo hat seit langem eine starke Verbundenheit mit dem Meer. Die Bucht von Vigo wurde bereits von Jules Verne in seinem Buch "20.000 Meilen unter dem Meer" erwähnt. Heute beherbergt die Stadt einen der größten Fischereihäfen der Welt und einen der umsatzstärksten. Was die Bedeutung der handwerklichen Fischerei angeht, steht Spanien an dritter Stelle unter den europäischen Ländern. Dies wirkt sich stark auf die lokale Kultur, Tradition und das soziale Leben aus, was sich in der großen Anzahl von Vereinen, Gemeinschaften und Programmen in der Region widerspiegelt. Die starke Verbundenheit Vigos mit seinen Ursprüngen in der Fischerei zeigt sich deutlich in den beeindruckenden Wandgemälden, die den Fischern und Meerestieren in der ganzen Stadt gewidmet sind, wie z. B. das Bild einer 'mariscadora' - einer Meeresfrüchte sammelnden Frau mit einer 'percebes', einer typisch galicischen Gänsehals-Seepocke (mit freundlicher Genehmigung von S. T. Boschetti).

Die Konferenz fand im imposanten Gebäude des Auditorium del Mar statt, nicht weit entfernt von der Lonja (der Fischauktion) von Vigo und dem Fischereihafen. Viele der Tiefkühlunternehmen haben dort ihren Sitz. Leider ist der Besuch der Lonja aufgrund der städtischen Vorschriften für die Öffentlichkeit immer noch nicht gestattet. Der Fischereihafen versteckt sich vielmehr hinter den hohen Zäunen der zahlreichen Gefrierhäuser, die entlang der gesamten Uferpromenade errichtet wurden.

Das diesjährige IIFET-Thema lautete ,,Der Umgang mit einer sich verändernden Umwelt". Angesichts des Temperaturanstiegs der letzten Jahre und der weitreichenden Auswirkungen auf den Lebensraum und die Verbreitung der Fischpopulationen sowie der neuen Herausforderungen für den Lebensunterhalt der Fischergemeinschaften war dies ein aktuelles Thema.

Der Beginn der Konferenz war dem von der FAO und der Generaldirektion MARE der Europäischen Kommission veranstalteten Strategie-Tag gewidmet. Er konzentrierte sich auf die wichtigsten Merkmale der künftigen sozioökonomischen Herausforderungen für nachhaltige Fischerei- und Aquakultursbereiche.

Die folgenden drei Tage waren gefüllt mit Vorträgen von Forschern und Fachleuten aus dem Fischereisektor mit Schwerpunkt Ökonomie. Zu den Hauptrednern gehörten einige der wichtigsten Experten auf diesem Gebiet, wie Ragnar Arnason, Gunnar Knapp, U. Rashid Sumaila, Jon G. Sutinen, Martin Smith und Juan Carlos Seijo.

Simona T. Boschetti und Mosunmola Lydia Adeleke, Mitglieder von Mundus maris, nahmen an der Konferenz teil. Die Beiträge von Mundus maris gehörten zu den wenigen Beiträgen, die sich mit den sozialen und gemeinschaftlichen Aspekten und Herausforderungen der handwerklichen Fischerei befassten.

Am 20. Juli hielt Simona T. Boschetti stellvertretend für andere Mundus maris-Mitglieder, die nicht teilnehmen konnten, zwei Vorträge. Die erste Präsentation mit dem Titel "Fighting their corner in the value chain - community based social protection mechanisms specific to women" veranschaulichte die Forschung, die auf der Arbeit des Mundus maris-Gründungsmitglieds Aliou Sall in Senegal, Gambia und Guinea basiert. Seine Arbeit untersucht (i) die Strategien, die Frauen in der handwerklichen Fischerei im Bereich des Sozialschutzes entwickelt haben, und den Zusammenhang mit ihrer wichtigen Stellung in der Wertschöpfungskette. Weiterhin (ii) den Prozess, durch den diese Strategien im Zusammenhang mit der Feminisierung von Schwachstellen in Frage gestellt werden, und zu guter Letzt (iii) die Reaktionen der Frauen zur Bewältigung dieser Krisen. Sehen Sie hier die Folien.

Der zweite Vortrag "Eine Akademie für handwerkliche Fischerei - Stärkung der Kapazitäten von Frauen und Männern für kollektives Handeln" von Cornelia E. Nauen, Maria Fernanda Arraes Treffner, Aliou Sall und Stella Williams beleuchtete die in der Akademie angewandte aktive und integrative Methode der Erwachsenenbildung. Der Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung der Teilnehmer bei der Entwicklung einer Vision dessen, was sie für sich als ein gutes Leben definieren, und bei der Planung gut definierter Schritte auf einem individuellen und kollektiven Veränderungsweg zur Erreichung konkreter Fortschritte.

Die Methoden wurden erfolgreich an sozial und wirtschaftlich sensiblen Themen wie Geschlechtergerechtigkeit und Anpassung an den Klimawandel erprobt, indem Wissen über die globale Nachhaltigkeitsagenda mit lokalen Realitäten und Erfahrungen verbunden wurde. Die Akademie arbeitet schwerpunktmäßig an der Unterstützung der Umsetzung der freiwilligen Leitlinien für die Sicherstellung einer nachhaltigen handwerklichen Fischerei. Mit einer vergleichsweise geringen Investition hat sie ein großes Potenzial für die Verwirklichung eines nachhaltigen langfristigen Prozesses, der jeder Gemeinschaft zugute kommen kann, die eine Veränderung wünscht. Die Folien können hier eingesehen werden.

Die Resonanz auf die Präsentationen war sehr positiv. Allerdings blieb keine Zeit für Fragen, so dass weitere Diskussionen mit anderen Teilnehmern in den Kaffeepausen und bei gemeinsamen Veranstaltungen stattfanden.

Der erste Preis für den besten Vortrag ging an einen Beitrag mit dem Titel "Challenges and the Prospects of Women Fisher Folk in Makoko, Lagos State, Nigeria". Ayodele Oloko ist zusammen mit mehreren Co-Autoren Hauptautor. Herzlichen Glückwunsch! Mundus maris-Mitglied Lydia Mosunmola Adeleke nahm den Preis im Namen von Ayodele Oloko entgegen.

Die Konferenz, ausschließlich als Präsenzveranstaltung abgehalten, war aufgrund der immer noch schwierigen Reisebedingungen in einigen Ländern nur schwach besucht. Diejenigen, die vor Ort teilnehmen konnten, waren jedoch begeistert, sich zu treffen und zu vernetzen. Das 20-jährige Bestehen der IIFET-Konferenzen wurde gefeiert und man erinnerte sich an die Highlights der früheren Veranstaltungen, die in den Konferenzpausen und bei den verschiedenen gemeinsamen Treffen gezeigt wurden.

Die nächste IIFET-Konferenz soll 2024 in Penang, Malaysia, stattfinden und von WorldFish ausgerichtet werden.

Deutsche Übersetzung von Claudia Mense.