Zusammen mit fast 100 anderen Meeresschutz-Enthusiasten beteiligte sich Mundus maris mit einem erweiterten Programm an der von der Deutschen Meeresstiftung koordinierten ‚Love Your Ocean‘-Plattform auf der Messe Boot 2026 in Düsseldorf, Deutschland. Über neun Tage, vom 17. bis 25. Januar 2026, zog die Plattform vor allem an den beiden Wochenenden zahlreiche Besucher an.
Der Eröffnungstag war zusätzlich noch symbolträchtig. Am Samstag, den 17. Januar 2026, trat nach 15 langen Jahren der Verhandlungen, die 2023 erfolgreich abgeschlossen wurden, der BBNJ-Vertrag in Kraft, 120 Tage nachdem das 60. Land ihn ratifiziert hatte. Der Vertrag hat das Potenzial, das anhaltende Massensterben von Arten, insbesondere im Ozean, zu stoppen. Er ist das dritte rechtsverbindliche Seerechtsübereinkommen und zielt darauf ab, den „wilden Westen“ auf dem Ozean zu beenden, indem Regeln zum Schutz der biologischen Vielfalt in den Gebieten außerhalb der nationalen Gerichtsbarkeit festgelegt werden. Die allgemeingültige Verpflichtung, bis 2030 30 % der Weltmeere zu schützen, rückt damit immer näher. Der Schutz von 61 % des Ozeans wird sich auch auf die ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) der Küstenländer regenerierend auswirken.
Unser Partner auf der Mess, Quantitative Aquatics, kurz Q-quatics, ist eine wissenschaftliche Non-Profit-Organisation mit Sitz auf den Philippinen. Sie betreibt globale Informationssysteme zur biologischen Vielfalt und entwickelt diese kontinuierlich weiter. FishBase ist das am weitesten entwickelte System, das inzwischen Informationen über 36 400 Arten von Süßwasser- und Meeresfischen enthält. Mehr als 35 Jahre ständiger gemeinsamer Arbeit haben zu dem geführt, was die meisten heute als Teil der Wissensinfrastruktur betrachten. Das Beste: es ist frei verfügbar.
Mundus maris hat Q-quatics‘ stark verbesserte Version des FishSound-Quiz vorgestellt. Drei schöne Fischfotos werden gezeigt und die Teilnehmer sind aufgefordert zu raten, wenn sie es nicht wissen, welcher der drei Fische das zu hörende Klopfen, Stoßen, Klicken oder andere ungewöhnliche Geräusche macht. Auf dem Foto rechts erklärt Claudia Mense, Mundus maris-Cheforganisatorin, die Grundlagen. Ist die richtige Art identifiziert, wird erklärt, mit welchem Organ, etwa der Schwimmblase oder den Schlundzähnen, sie die Geräusche erzeugen. Die Illustration des Fischinneren, die Aque Atanacio von Q-quatics angefertigt hat, war für das Verständnis sehr hilfreich.
Einige Kinder hatten eine besonders steile Lernkurve. Sie identifizierten z.B. schnell die Tiere der Familie der sogenannten Grunzer mit ähnlichen Körperformen und freuten sich, als sie erfuhren, dass sie das Quiz zu Hause weiterspielen können.
Die „Meerjungfrau“ von Mundus maris und andere Helferinnen und Helfer moderierten auch das Ozean-Quiz, das wieder besonders bei der jüngeren Generation Anklang fand. Während der Woche machten auch etliche Schulklassen einen Abstecher, um möglichst viel von den zahlreichen interessanten Angeboten auf der Plattform „Love Your Ocean“ mitzunehmen.
Alle Fragen des Quiz waren nach Altersgruppen geordnet, um nicht nur altersgerecht einfache Fakten abzufragen, sondern Gespräche über die Vorgänge im Ozean anzuregen. Auch hier zeigte sich, dass viele junge Menschen auch durch die spannenden Dokumentarfilme, die im Fernsehen oder auf YouTube gezeigt werden, gut informiert sind. Das Interesse war eindeutig vorhanden.
Es wäre schön, dem Ozean, der uns jeden zweiten Atemzug mit Sauerstoff versorgt und bisher noch viel schlimmere Auswirkungen des Klimawandels verhindert hat, mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Eine der Neuheiten, die Mundus maris zur Boot 2026 mitgebracht hatte, war eine Darstellung der Nahrungspyramide im Ozean. Wie funktioniert sie und wer frisst wen. Hier erklärt einer der kompetenten Unterstützer am Stand, Deniz Karagoz, warum der Gasaustausch in dem dichten Medium Wasser besonders energieintensiv ist.
In der Praxis bedeutet das, dass von den Pflanzenproduzenten am unteren Ende der Pyramide nur 10 % der Biomasse oder Energie von der nächsten Ebene, wie Zooplankton und Fischlarven, genutzt werden können.
Diese sind wiederum die Hauptnahrung für kleine pelagische Schwarmfische wie Sardinen, Heringe, Makrelen und Sardellen. Und wer ernährt sich von den „kleinen pelagischen Fischen“? Abgesehen davon, dass sie ein hervorragendes Nahrungsmittel für Menschen, Seevögel und größere Fische sind, werden sie durch die Fülle ihrer Populationen zur Zielscheibe für die größten Meeresfische und -säuger.
Die größten Tiere, wie z.B. Wale oder Walhaie, können nämlich nur auf dieser relativ weit unten angesiedelten Stufe der Nahrungspyramide genug Futter finden, um ihre enorme Länge und ihr Körpergewicht zu erreichen. Die großen Raubfische wie Orcas und viele Haie sind zwar beeindruckende Tiere, aber bei weitem nicht so zahlreich wie ihre Beute weiter unten im Nahrungsnetz.
Neben den regen Interaktionen am Stand bot Dr. Cornelia Nauen von Mundus maris drei Vorträge auf der Water Pixel World-Bühne an. Der erste führte die Zuhörer zurück in den Juni 2025 zur UN Ozeankonferenz in Nizza, Frankreich, und noch weiter zu den vorbereitenden öffentlichen Konsultationen im Jahr 2024. Die Botschaft war offensichtlich: Auch eine kleine Organisation mit guten Ideen kann sich sinnvoll an einem globalen Event beteiligen. Eine gute Vorbereitung und Zusammenarbeit mit anderen sind wichtiger als nur die Größe.
Der zweite Vortrag veranschaulichte dies überzeugend, indem er einen Vergleich zwischen der geringfügigen Beteiligung der handwerklicher Fischer an der zweiten UN-Ozeankonferenz 2022 in Portugal und in Gegensatz zu ihrem starken Auftritt in Zusammenarbeit mit Umweltforschern und anderen bei der UNOC3 in Nizza 2025 anstellte. Dank der systematischen internationalen Zusammenarbeit und mit Hilfe des costaricanischen Co-Gastgebers konnten die Fischer eine fantastische Veranstaltung in der für Regierungsvertreter reservierten Blauen Zone durchführen.
Sie behaupteten und forderten zu Recht, im Zentrum der Meerespolitik zu stehen, da sie mehr als 25 % des weltweiten Angebots an natürlichem Qualitätsfisch liefern. Es wurde jedoch deutlich gemacht, dass das Ungleichgewicht untragbar ist, wenn Hightech-Industrieschiffe direkt mit den Handwerkern des Meeres konkurrieren.
Zu guter Letzt war noch die Rede vom EU Ozean-Pakt, der auf der UNOC3 angekündigt wurde, dem aber ein Meeresgesetz folgen muss, damit politische Erklärungen zu greifbaren Verbesserungen der europäischen Meeresregionen und darüber hinaus führen. Die derzeit laufende öffentliche Konsultation bietet die Gelegenheit, sich Gehör zu verschaffen und seine Erfahrungen einzubringen. Eine weitere Möglichkeit, sich zu beteiligen, ist die Unterzeichnung der EU-Charta ‚Restore our Ocean and Waters‘ (Wiederherstellung unseres Ozeans und unserer Binnengewässer) und eine Verpflichtung, um die Ziele zu erreichen zu helfen, egal in welchem Umfang.
Mundus maris hat die Charta unterzeichnet und engagiert sich, mehr Menschen die Möglichkeit zu bieten, aktiv zu werden. Dies geschieht z. B. durch das Rollenspiel „Defending Blue Horizons“. Ziel des Rollenspiels ist es, einen konstruktiven Dialog zu entwickeln, damit ein Meeresschutzgebiet in der Praxis funktioniert. Bei Interesse an einem Einsatz können Sie sich gerne unter info(@)mundusmaris.org informieren.

Es ist unmöglich, all die wunderbaren Gespräche, die neu entdeckten Synergien zwischen Projekten und Initiativen und das enorme Engagement der vielen Akteure auf dem „Love Your Ocean“-Parkett wiederzugeben. Mehrere Tauchgruppen, die Geisternetze von Schiffswracks in der Ostsee bergen, berichteten, dass sie dank ihrer langjährigen Bemühungen eine deutliche Verbesserung feststellen konnten.
Auf dem Workshop-Gelände ließ der intensive Austausch zwischen den verschiedenen Do-it-yourself- und Bildungsthemen keinen Zweifel daran, dass viele Menschen nicht in erster Linie von Geld angetrieben werden – auch wenn es schön ist, welches zu haben -, sondern dass sie sich ernsthaft Gedanken darüber machen, wie wir dem Ozean helfen können, seine frühere Gesundheit und Produktivität wiederzuerlangen.
Niemand hat für mehr Hightech- und Industrieschiffe plädiert, die die Natur überfordern. Dagegen gab es viele, die eine Entschleunigung befürworten, die sich auf das Miteinander und die Lebensqualität konzentrieren und eine gewisse Selbstbeschränkung üben. Sie wollten nur so viel entnehmen, wie in einem Jahr nachwachsen kann, den Fischnachwuchs schützen, von der Natur lernen und Lösungen im Einklang mit der Natur entwickeln. Es ist mehr als sinnvoll, das „Kapital“ im Wasser zu schützen und nur die „Zinsen“ zu ernten, statt das Kapital zu verbrauchen. Das ist nicht nur ein Denkanstoß, sondern auch ein Anlass zu prüfen, inwieweit die rechtlichen Rahmenbedingungen solche Ansätze fördern oder behindern.
Mundus maris bedankt sich bei den vielen Freiwilligen, die jeden Tag dabei geholfen haben, mit der Öffentlichkeit in Kontakt zu treten. Wir haben die Botschaft über die Dringlichkeit der Wiederherstellung der Gesundheit der Ozeane weiter getragen. Wir wollen weiterhin etwas über das wunderbare Leben im Meer lernen, die vielen Vorteile genießen, die es uns allen bietet, und für einen besseren Schutz und eine bessere Erhaltung sorgen.
Aufgrund der aktiven Beteiligung des Publikums und der unzähligen guten Gespräche kann man sagen, dass die Plattform „Love Your Ocean“ der aufregendste und interessanteste Teil dieser großen Messe war. Auf ein Wiedersehen im Jahr 2027.
Deutsche Übersetzung von Claudia Mense, Photos von Mundus maris.